Hansjörg Dobliar, Diango Hernández, Benjamin Houlihan, Philipp Messner

distorted perceptions and concrete understanding

Distorted perceptions and concrete understanding

Die Ausstellung zeigt ausgewählte Arbeiten von Hansjörg Dobliar, Diango Hernández, Benjamin Houlihan und Philipp Messner, die sich zwischen Malerei und Skulptur bewegen. Dabei verwischen die klaren Trennungen zwischen den Gattungen, die einzelnen Arbeiten stehen für Übergangszustände, die einen bestimmten Zustand von Realität abbilden und sich als Zerrbilder der uns bekannten Realität manifestieren.

Wie verschiedene Aggregatzustände wirken auch die verwendeten Materialien: von leicht und flüchtig wie PU-Schaum, Pigment und spiegelnde Flächen über haptische Materialien wie Holz und Leinwand hin zu kompakten, massiven und beständigen Werkstoffen wie Aluminium, Stahl und Bronze.

Hansjörg Dobliars farbintensive Gemälde zeigen organische, blütenartige Gebilde, die vibrierend auf der Leinwand erscheinen, um in einem nächsten Moment - ähnlich einem Blick durchs Kaleidoskop - neue, halluzinatorische Formen anzunehmen.

Bei Benjamin Houlihans Arbeiten auf Spiegel bzw. Nessel handelt es sich um Bild-Objekte, die vom Zwei- ins Dreidimensionale diffundieren. Der sonst skulptural arbeitenden Künstler zeigt hier erstmals abstrakte Gemälde, deren Farbe sich von der Leinwand löst, von ihr zurückzieht, sich materiell als Schaum auf ihr bündelt, um sich in einem nächsten Schritt möglicherweise wieder zu verflüssigen und neu anzuordnen.

Philipp Messners flächige Objekte, mehr zwei- als dreidimensional, basieren auf räumlichen Darstellungen von Sternen, die - in Fragmente zerlegt - vom Auge erst wieder zu einer Form zusammengefügt werden müssen. Die Reduktion auf eine skulpturale Silhouette gilt auch für die Arbeit Ambassador, eine Nachzeichnung des anamorph verzerrten Totenschädels aus Hans Holbeins Bild Die Gesandten.

Die abstrakten Formen - geometrisch strukturiert oder amorph organisch - entpuppen sich erst in einem zweiten Moment als Objekt des Blicks, der Position und der Wahrnehmung.

Die Skulpturen von Diango Hernández arbeiten mit Formen von vertraut wirkenden Gebrauchsgegenständen. Zerlegt und fragmentarisch wieder zusammengesetzt enthalten sie noch die Erinnerungen an ihre ursprüngliche Bedeutung und Funktion; als Objekt jedoch haben sie sich verselbstständigt, scheinen in einem Zustand des Schwebens und der permanenten Umwandlung übergegangen zu sein.

So wirken sie wie bildhafte Momentaufnahmen innerhalb eines Transformations-prozesses, bei dem die endgültige Form noch nicht erreicht worden ist.

Verhindert die Verzerrung des Blicks zunächst die Orientierung im Gewohnten, so eröffnet sie doch dem alltäglichen, über Begriffe gesteuerten Bewusstsein eine Lücke, die den Zugang zu einer anderen Ebene ermöglicht.

Die innere Bewegung, die elastische Überschreitung, die sowohl den gezeigten Arbeiten selbst als auch der Auswahl und Zusammenstellung der Arbeiten zueigen ist, vollzieht sich in pendelartigen Schwüngen und führt die Verzerrung der Wahrnehmung über in ein konkretes Verständnis/Bewusstsein.