120 - Frank Balve

Frank Balve

Zur Ausstellungseröffnung "120"
möchten wir Sie und Ihre Freunde
am Freitag, 25. Mai 2012, ab 19.00 Uhr

Ausstellungsdauer:
25. Mai 2012 - 14. Juli 2012




Überwachung, Voyeurismus, Medienkonsum, institutionalisierte Gewalt: Frank Balves äußerst vielschichtiges Werk kreist um oft unbequeme Themen von gesellschaftlicher und ethischer Relevanz. Balve (*1986) studiert seit 2009 an der Münchner Akademie für Bildende Künste bei Norbert Prangenberg. In aufwändigen Rauminstallationen kombiniert er ungegenständliche Malerei, Videoinstallationen, Papierplastiken, Lyrik und Soundcollagen zu multimedialen Konzeptionen von musealem Ausmaß. Dabei bezieht er sich häufig auf Werke der klassischen Tafelmalerei oder Literatur und spielt souverän mit überkommenen Gattungsbegriffen. "120" basiert auf dem Romanfragment "Die hundertzwanzig Tage von Sodom oder die Schule der Ausschweifung" des Marquis de Sade (1785), das wegen der kühlen Schilderung sexueller Perversion zu den umstrittensten Werken der Weltliteratur gehört. Balve richtet sein Augenmerk hingegen auf die meist übersehene gesellschaftskritische Dimension des Textes, die die institutionalisierte Kontrolle und Disziplinierung der "Anderen" durch die Machthaber anprangert. Während der erste Ausstellungsraum als repräsentatives Barockinterieur mit den klassischen Bildkünsten Malerei und Plastik gestaltet ist, ruft ein abgedunkeltes und verkacheltes Hinterzimmer Assoziationen an ein Schlachthaus oder Gefängnis hervor. In den Ecken sind drei Videoprojektionen nackter, kauernder Körper mit schwarzen Kapuzen zu sehen ? eine Pose, die im kollektiven Gedächtnis gespeicherte Bilder von Folteropfern aus Gefangenenlagern wachruft. Zu den Klängen eines dekonstruierten Chopin-Prélude entfalten die in extremer Zeitlupe wiedergegebenen lebensgroßen Körper-Projektionen eine verstörende und zugleich fesselnde Wirkung, die den Betrachter seinem reizüberfluteten Alltag entreißt und ihn zu meditativer Ruhe zwingt.