Exhibitions

Ragnarök bezeichnet in der nordischen Mythologie den Untergang der Welt, hervorgerufen durch den Kampf der Götter. Der schwedische Künstler Bo Christian Larsson betitelt seine Ausstellung bei dh artworks somit als Göttersturz und Weltuntergang. 1976 in Kristinenehamn geboren, studierte Larsson in den Niederlanden an der AKI, Academy of Visual Arts in Enschede.

Seine Arbeiten wurden bereits in Einzel- und Gruppenausstellungen in ganz Europa, Asien und den USA gezeigt. 

Bo Christian Larsson lebt und arbeitet in Ragnarby (Schweden) und Berlin.

Ragnarök zeigt Installationen, Bronzen und Objekte. Großteils gehen die Arbeiten des Künstlers auf Performances zurück. Sind aber in ihrer Ausdrucksstärke und Eigenwirkung als unabhängige Werke zu verstehen. So wurde beispielsweise der mit Kerzen besetzte Zylinder (Madhatter) in einer Performance geschaffen und die Kerzen auf dem Kopf eines Alter Egos des Künstlers abgebrannt. Dabei war das Gesicht der Person von Haaren bedeckt- eine Arbeitsweise, die Larsson immer wieder einsetzt, teils mit Haar des Protagonisten, teils mit einer Perücke. Das Haar vor dem Gesicht als Vorhang vor dem eigentlichen Geschehen. Der künstlerische Gedanke, der im Inneren vollzogen und „nachgedacht“ werden soll.Das Haar vor dem Gesicht als Anregung das „Dahinter“ zu sehen. Dazu der Künstler in einem Interview im Bayrischen Rundfunk 2008:

„Die Perücke habe ich vor meinen Augen. Ich dreh die um, dass ich nichts mehr sehen kann. Das ist ein wichtiger Punkt bei meinen Performances, dass ich mich selbst blind mache, und dass ich nach innen gucken muss. Ich werde eine andere Person und verschwinde in dieser Rolle.“

Dunkelheit und Innenschau, seit jeher Bilder von Neubeginn und Weisheit, stellen sich in Kontrast zu Ragnarök – Zerstörung und Untergang. Wenn die Götter sich selbst und die bekannte Welt zerstört haben, ist der Weg wieder frei für die Geburt des Menschen, des Gedanken, der Kunst. Oder sehen wir Ragnarök als inneren Zustand des Künstlers?Der seine Götter stürzt, der seine vordergründige Welt zerschlägt um neu und frei aus der Dunkelheit seines Inneren durch seine Kunst mit uns in den Dialog zu treten und uns neue Sichtweisen anzubieten? Durch seine Herkunft, in der nordischen Mythologie verwurzelt, ist Larsson in der Lage mit diesem großen Begriff so zu spielen, dass sich der Betrachter seine eigenen Gedanken zur Verwebung von Sage und Werk machen kann, und sich der intellektuelle wie auch der emotionale Kreis immer wieder schließen. So spaziert man in den Galerieräumen durch einen Wald von riesigen hölzernen und bronzenen Diamanten. Der Diamant ist die kubische Modifikation des Kohlenstoffs und der härteste natürliche Stoff. Sein Name leitet sich aus dem griechischen adámas – unbezwingbar- ab. 

Doch Bo Christian Larssons Diamanten sind vielfach hölzern und von Spechten bevölkert. Die Vögel scheinen den Unbezwingbaren bezwingen zu wollen und sehen doch aus, als würden sie in einem Käfig sitzen und sisyphosgleich ihr Tun verrichten.

Von Brettern vernagelte Gemälde historischer schwedischer Persönlichkeiten lassen nur die Augenpartien offen, als könnten diese uns ihre ganze Geschichte erzählen. Das ganze menschliche Dasein in einem gebannten Blick. Das Auge als Spiegel der Seele.

Ein aus bronzenen Spazierstöcken geformtes Pentagramm gibt dem Betrachter Rätsel auf. Das Symbol wurde bereits um 3000 v. Chr. als Ideogramm der sumerischen Göttin Istar dargestellt und galt später gemeinhin als Symbol der Venus. Auch bekannt als Drudenfuß mit seinem goldenen Schnitt war das Zeichen sowohl Freimaurersymbol als auch mittelalterliches Abwehrsymbol gegen nächtliche Spukgeister (Druden) und wird bis heute als okkultes Symbol verwendet.

Der Künstler nimmt mit auf eine Reise. Schamanengleich statt Fell oder Maske, das Haar als Verdeckung des Gesichtes führt er den Betrachter wie an einem Spazierstock langsam vorwärts tastend in seine Welt. Eine Reise in eine Wirklichkeit hinter der sichtbaren Wirklichkeit, die uns so vertraut erscheint. 

Es vermischen sich Mythos, Geschichte, Okkultismus und Philosophie in immer neuen Reigen. Und trotz allem funktionieren Bo Christian Larssons Arbeiten auch ohne all dies.  Ohne Interpretationsspielräume und Hinter- bzw. Abgründe.

Bo Christian Larssons Werke bestechen fernab von all dem durch eine große ästhetische Präsens, die dem Betrachter nicht nur eine Reiseoption sondern auch eine Erholungspause für die Augen bietet.

 

Wiebke Fischer
Kunsthistorikerin M.A.

Distorted perceptions and concrete understanding

Die Ausstellung zeigt ausgewählte Arbeiten von Hansjörg Dobliar, Diango Hernández, Benjamin Houlihan und Philipp Messner, die sich zwischen Malerei und Skulptur bewegen. Dabei verwischen die klaren Trennungen zwischen den Gattungen, die einzelnen Arbeiten stehen für Übergangszustände, die einen bestimmten Zustand von Realität abbilden und sich als Zerrbilder der uns bekannten Realität manifestieren.

Wie verschiedene Aggregatzustände wirken auch die verwendeten Materialien: von leicht und flüchtig wie PU-Schaum, Pigment und spiegelnde Flächen über haptische Materialien wie Holz und Leinwand hin zu kompakten, massiven und beständigen Werkstoffen wie Aluminium, Stahl und Bronze.

Hansjörg Dobliars farbintensive Gemälde zeigen organische, blütenartige Gebilde, die vibrierend auf der Leinwand erscheinen, um in einem nächsten Moment - ähnlich einem Blick durchs Kaleidoskop - neue, halluzinatorische Formen anzunehmen.

Bei Benjamin Houlihans Arbeiten auf Spiegel bzw. Nessel handelt es sich um Bild-Objekte, die vom Zwei- ins Dreidimensionale diffundieren. Der sonst skulptural arbeitenden Künstler zeigt hier erstmals abstrakte Gemälde, deren Farbe sich von der Leinwand löst, von ihr zurückzieht, sich materiell als Schaum auf ihr bündelt, um sich in einem nächsten Schritt möglicherweise wieder zu verflüssigen und neu anzuordnen.

Philipp Messners flächige Objekte, mehr zwei- als dreidimensional, basieren auf räumlichen Darstellungen von Sternen, die - in Fragmente zerlegt - vom Auge erst wieder zu einer Form zusammengefügt werden müssen. Die Reduktion auf eine skulpturale Silhouette gilt auch für die Arbeit Ambassador, eine Nachzeichnung des anamorph verzerrten Totenschädels aus Hans Holbeins Bild Die Gesandten.

Die abstrakten Formen - geometrisch strukturiert oder amorph organisch - entpuppen sich erst in einem zweiten Moment als Objekt des Blicks, der Position und der Wahrnehmung.

Die Skulpturen von Diango Hernández arbeiten mit Formen von vertraut wirkenden Gebrauchsgegenständen. Zerlegt und fragmentarisch wieder zusammengesetzt enthalten sie noch die Erinnerungen an ihre ursprüngliche Bedeutung und Funktion; als Objekt jedoch haben sie sich verselbstständigt, scheinen in einem Zustand des Schwebens und der permanenten Umwandlung übergegangen zu sein.

So wirken sie wie bildhafte Momentaufnahmen innerhalb eines Transformations-prozesses, bei dem die endgültige Form noch nicht erreicht worden ist.

Verhindert die Verzerrung des Blicks zunächst die Orientierung im Gewohnten, so eröffnet sie doch dem alltäglichen, über Begriffe gesteuerten Bewusstsein eine Lücke, die den Zugang zu einer anderen Ebene ermöglicht.

Die innere Bewegung, die elastische Überschreitung, die sowohl den gezeigten Arbeiten selbst als auch der Auswahl und Zusammenstellung der Arbeiten zueigen ist, vollzieht sich in pendelartigen Schwüngen und führt die Verzerrung der Wahrnehmung über in ein konkretes Verständnis/Bewusstsein.

 

 

from Düsseldorf - Berlin - München

Zur Ausstellungseröffnung
möchten wir Sie und Ihre Freunde
am Samstag, 23. Februar 2013,
ab 16.00 bis 21.00 Uhr herzlich einladen.

Düsseldorf:
Elke Nebel, Driss Ouadahi, Diango Hernández, Benjamin Houlihan, Rachid Maazouz, Max Schulze Andreas Schön, Andreas Schön, Maria Anna Dewes
München:
Frank Balve, Philipp Messner
Berlin:
Fabian Weinecke, Magnus Thoren, Laura López Paniagua
Ausstellungsdauer: 23. Februar - 02. April 2013

Benjamin Houlihan - MISS ME
Einladung zur Eröffnung
am Freitag, 30. November 2012,
von 19 bis 21 Uhr

Ausstellungsdauer:
01. Dezember 2012 bis 19. Januar 2013

Philipp Messner
Zur Ausstellungseröffnung
möchten wir Sie und Ihre Freunde
am Freitag, 26. Oktober 2012,
ab 19.00 Uhr herzlich einladen.
Der Künstler ist anwesend.
Ausstellungsdauer: 26. Oktober - 27. November 2012





Philipp Messner hinterfragt in seinen konzeptuellen Arbeiten den Prozess der visuellen Wahrnehmung. Form, Funktion und Oberfläche schaffen darin ein offenes Rezeptionsfeld, in dem sich der Betrachter immer wieder neu positionieren muss. Messner studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Michelangelo Pistoletto. In seinem Werk bezieht er sich auf künstlerische Strategien der Arte Povera und Minimal Art. So verwendet er Alltagsgegenstände, geometrische Formen, spiegelnde Oberflächen und industrielle Materialien, wie Gummi, Stahl, Eisenspäne oder Stoffe. Bei dh-artworks zeigt er eine Auswahl von Werken aus den letzten drei Jahren, darunter Objekte, Videos und Papierarbeiten, sowie eine neugeschaffene Installation.  Auf das komplexe Verhältnis von Zeichen und Bezeichnetem spielt die schwarze Fahne an, die Messner auf das Dach über dem Eingangsbereich montiert hat. In weißer Schrift ist drauf das Satzfragment "DAS ZITAT IST AUS DEM ZUSAMMENHANG" zu lesen. Um Sprache als Kommunikationsmittel einzusetzen, müssen Struktur, Aufbau und Kontext erkennbar bleiben. Indem Messner sich diesen Regeln widersetzt, verweist er auf die Labilität des Systems. Im Zentrum der Ausstellung bei dh-artworks befindet sich Messners neue raumgreifende Arbeit "WILDHEIT". Aus 1,30 m hohen spiegelpolierten Edelstahlbuchstaben schuf er einen Schriftzug, der an amerikanische Billboards erinnert. Die Bedeutung des Worts und der klassische Schrifttypus Times New Roman stehen in einem Gegensatz zueinander und lassen immer wieder neue Lesarten zu.  Eine große Anziehungskraft übt die Materialität der Oberflächen von Messners Objekten auf den Betrachter aus. So veredelte er z. B. eine banale Europalette mit spiegelndem Aluverbundstoff und erklärte sie durch die Transformation zum autonomen Kunstwerk. Für dh-artworks schuf er die Edition OT (Träger06) in Form einer originalen Gerüstbaustange, die er verchromt hat. Durch den künstlerischen Eingriff wird der Gebrauchsgegenstand in einen verführerischen Fetisch verwandelt, der sich durch die Dekonstruktion in seinem Verhältnis zum Raum und Betrachter neu positioniert.  Bei Messners Magnetarbeiten ist die Anziehungskraft sogar physisch spürbar. Dafür überzieht er Holzskulpturen in modernistischen, organischen Formen mit einem magnetisierten Gummibelag und bestreut sie mit schwarz pigmentierten Eisenspänen. Ähnlich wie Kristalle richten sich die magnetisierten Teilchen auf und verdichten sich zu einer fragilen, tiefschwarzen Oberfläche. (CG)
Philipp Messner geb. 1975 in Bozen, Magister artium Akademie der Bildenden Kušnste in Wien 1999 (Meisterklasse Pistoletto); Studium an der supérieure des beaux-arts (ENSBA) in Paris und an der Akademie der bildenden Künste, München Einzelausstellungen (Auswahl): 2012 "unknown again" Kunstverein Göttingen; 2011 "O GRAWITACJI", galeria foksal, Warschau; 2010 Galerie Bernd Kugler, Innsbruck (with Christine Moldrickx); 2009 "Vacuum", Steinle Contemporary, München Gruppenausstellungen (Auswahl): 2012 "BENEATH", Vogt Gallery, New York; 2011 "Arsenale, Werke aus der Sammlung" Museion, Bozen; 2010 "Das ist Programm" steinle-contemporary, München; 2009 "Reduction & Suspense", Magazin 4, Bregenz

Diango Hernández - The Editionx - Bronze, Polaroids, Drawings
Zur Ausstellungseröffnung
Buchpräsentation HOME. Produziert von dh artworks.
Alexander & Bonin Publishing, 2012
mit Elmar Hermann
und Diango Hernández
möchten wir Sie und Ihre Freunde
am Freitag, 07. September 2012,
ab 18.30 Uhr herzlich einladen.

Frank Balve

Zur Ausstellungseröffnung "120"
möchten wir Sie und Ihre Freunde
am Freitag, 25. Mai 2012, ab 19.00 Uhr

Ausstellungsdauer:
25. Mai 2012 - 14. Juli 2012




Überwachung, Voyeurismus, Medienkonsum, institutionalisierte Gewalt: Frank Balves äußerst vielschichtiges Werk kreist um oft unbequeme Themen von gesellschaftlicher und ethischer Relevanz. Balve (*1986) studiert seit 2009 an der Münchner Akademie für Bildende Künste bei Norbert Prangenberg. In aufwändigen Rauminstallationen kombiniert er ungegenständliche Malerei, Videoinstallationen, Papierplastiken, Lyrik und Soundcollagen zu multimedialen Konzeptionen von musealem Ausmaß. Dabei bezieht er sich häufig auf Werke der klassischen Tafelmalerei oder Literatur und spielt souverän mit überkommenen Gattungsbegriffen. "120" basiert auf dem Romanfragment "Die hundertzwanzig Tage von Sodom oder die Schule der Ausschweifung" des Marquis de Sade (1785), das wegen der kühlen Schilderung sexueller Perversion zu den umstrittensten Werken der Weltliteratur gehört. Balve richtet sein Augenmerk hingegen auf die meist übersehene gesellschaftskritische Dimension des Textes, die die institutionalisierte Kontrolle und Disziplinierung der "Anderen" durch die Machthaber anprangert. Während der erste Ausstellungsraum als repräsentatives Barockinterieur mit den klassischen Bildkünsten Malerei und Plastik gestaltet ist, ruft ein abgedunkeltes und verkacheltes Hinterzimmer Assoziationen an ein Schlachthaus oder Gefängnis hervor. In den Ecken sind drei Videoprojektionen nackter, kauernder Körper mit schwarzen Kapuzen zu sehen ? eine Pose, die im kollektiven Gedächtnis gespeicherte Bilder von Folteropfern aus Gefangenenlagern wachruft. Zu den Klängen eines dekonstruierten Chopin-Prélude entfalten die in extremer Zeitlupe wiedergegebenen lebensgroßen Körper-Projektionen eine verstörende und zugleich fesselnde Wirkung, die den Betrachter seinem reizüberfluteten Alltag entreißt und ihn zu meditativer Ruhe zwingt.